Essen mit einer Gastroparese

Es gibt nicht die eine Diät, die für alle Menschen mit Gastroparese passt. Menge, Konsistenz und Zusammensetzung der Mahlzeiten können je nach Symptomen und individueller Verträglichkeit angepasst werden.

Das Ziel: genug essen, mit der bestmöglichen Verträglichkeit

Bei einer Gastroparese entleert sich der Magen langsamer, ohne dass ein mechanisches Hindernis vorliegt. Das kann unter anderem zu frühem Sättigungsgefühl, anhaltendem Völlegefühl, Übelkeit oder Erbrechen führen.

Die Ernährung anzupassen hilft manchen Menschen, ihre Symptome besser zu bewältigen, aber der Nährstoffbedarf muss weiterhin gedeckt werden. Eine sehr einseitige Ernährung kann zu einer unzureichenden Zufuhr führen.

Es geht also darum, ein Gleichgewicht zwischen Verträglichkeit, Flüssigkeitszufuhr und ausreichender Nährstoffversorgung zu finden.

Die Nahrungsaufnahme aufteilen

Die Empfehlungen raten oft zu fünf oder sechs kleinen, nahrhaften Mahlzeiten statt zwei oder drei großen. Ziel ist es, die Zufuhr über den Tag zu verteilen.

GROSSE MAHLZEITEN
1
Eine große Portion

Eine große Menge kann für manche Menschen schwerer verträglich sein.

ODER
AUFGETEILTE MAHLZEITEN
1 2 3 4 5 6
Verteilte Zufuhr

Versuche mehrere kleine Portionen, wenn größere Mahlzeiten deine Symptome verschlimmern.

Aufteilen heißt nicht weniger essen. Wenn die Zufuhr ohnehin schwierig ist, bleibt das Ziel, den Bedarf an Energie, Eiweiß, Nährstoffen und Flüssigkeit so gut wie möglich zu decken.

Die Konsistenz kann die Verträglichkeit verändern

Weiche und gut gegarte Lebensmittel werden oft empfohlen. Wenn feste Nahrung schwierig wird, können stärker verarbeitete Konsistenzen manchmal besser vertragen werden.

Fest Normale Konsistenz
→
Zart Gut gegart, leicht zu kauen
→
Gehackt Kleine Stücke
→
Püriert Püree oder glatte Konsistenz
→
Flüssig Je nach Bedarf und Verträglichkeit

Ernährung mit kleinen Partikeln

Die Empfehlungen des American College of Gastroenterology schlagen eine Ernährung aus fein zerkleinerten Lebensmitteln vor, um die Verträglichkeit und bestimmte Symptome zu verbessern.

In der Praxis kann das heißen: gründlich kauen, ausreichend garen oder pürierte bzw. gehackte Lebensmittel wählen.

Diese Empfehlung bleibt jedoch eingeschränkt: Die verfügbaren Daten erlauben nicht die Aussage, dass ein einziger Ernährungsansatz für alle passt.

Ballaststoffe und Fette

Die allgemeinen Empfehlungen bei Gastroparese raten oft zu einer ballaststoff- und fettärmeren Ernährung. Das bedeutet nicht unbedingt, sie ganz wegzulassen.

Ballaststoffe

Manche sehr ballaststoffreiche Lebensmittel können schwer verträglich sein. Menge, Zubereitung und Konsistenz können je nach Symptomen und Rat des Behandlungsteams angepasst werden.

Fette

Sehr fettreiche Lebensmittel können bei manchen Menschen ebenfalls schlechter vertragen werden. Der Energiebedarf muss vor jeder größeren Einschränkung dennoch berücksichtigt werden.

Immer mehr Verbote vermeiden

Nach und nach viele Lebensmittel zu streichen, kann die Ernährung unzureichend machen. Bei großen Schwierigkeiten kann eine spezialisierte Ernährungsberatung besonders hilfreich sein.

Konkret auf dem Teller

Häufig genannte Beispiele, die du je nach deiner eigenen Verträglichkeit ausprobieren kannst: weder Pflichtlisten noch Verbote.

Oft besser verträglich

  • Pürierte Suppen, Pürees, zerdrücktes Gemüse
  • Kompott, gekochtes Obst ohne Schale, sehr reife Banane
  • Gut gekochte Nudeln, Reis und Grieß, Toastbrot
  • Eier, Fisch, Kochschinken, Hackfleisch oder püriertes Fleisch
  • Glatte Milchprodukte (Joghurt, Frischkäse, Pudding)
  • Milchgetränke, Smoothies ohne Kerne

Oft schwerer verträglich

  • Rohkost, Salate, faseriges Gemüse
  • Schalen, Kerne, Trockenobst und ganze Nüsse
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen, getrocknete Bohnen)
  • Zähes oder faseriges Fleisch, Frittiertes, sehr fette Gerichte
  • Vollkornbrot und kleiereiche Getreideprodukte
  • Kohlensäurehaltige Getränke

Ideen für Mahlzeiten: pürierte Gemüsesuppe mit Kochschinken, Kartoffelpüree mit zerpflücktem Fisch, weiches Omelett, Grießbrei, Kompott.

Die Flüssigkeitszufuhr gehört zur Ernährungsversorgung

Übelkeit und Erbrechen können das Trinken erschweren. Dennoch ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, vor allem um einer Austrocknung vorzubeugen.

Wenn das Trinken schwierig wird, kann die Verteilung der Getränke mit dem ärztlichen oder ernährungstherapeutischen Team besprochen werden.

Notieren, was du verträgst und was nicht

Ein paar Notizen können helfen, Muster zu erkennen, ohne jede Mahlzeit unter die Lupe zu nehmen.

1 Ausprobieren

Eine Menge, eine Konsistenz oder eine Zubereitung.

2 Beobachten

Wie wird die Mahlzeit vertragen?

3 Notieren

Nur die wirklich nützlichen Angaben.

4 Anpassen

Menge, Konsistenz oder Zusammensetzung, falls nötig.

Von vorn bei der nächsten Mahlzeit
Lebensmittel / Mahlzeit ……………………
Menge ……………………
Konsistenz ……………………
Symptome ……………………
Gesamtverträglichkeit ☆ ☆ ☆ ☆ ☆

Symptomblatt zum Ausdrucken (PDF, auf Französisch) ↗ Symptome verfolgen

Gut essen mit FODMAP

FODMAP sind Zucker, die der Darm mancher Menschen schlecht verdaut. Diese Orientierungshilfen helfen dir, dich zurechtzufinden, begleitet von einer Ärztin, einem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft.

Vorsicht bei Gastroparese: FODMAP betreffen Zucker, die der Darm schlecht verdaut, nicht die Magenentleerung. Ein FODMAP-armes Lebensmittel kann bei Gastroparese schlecht vertragen werden.

Die 6 FODMAP-Gruppen

Jede Gruppe hat ihre Farbe. Man reagiert selten auf alle empfindlich.

Fruktane

Fruktoseketten, in Getreide und manchen Gemüsesorten.

Z. B.: Weizen, Knoblauch, Zwiebel, Lauch

GOS

Zucker aus Hülsenfrüchten (Galakto-Oligosaccharide).

Z. B.: Linsen, Kichererbsen, Bohnen

Laktose

Der Milchzucker.

Z. B.: Milch, Joghurt, Sahne, Quark

Fruktose

Mehr Fruktose als Glukose.

Z. B.: Honig, Apfel, Birne, Mango

Sorbit

Ein Polyol, natürlich oder zugesetzt.

Z. B.: Avocado, Pflaume, zuckerfreier Kaugummi

Mannit

Ein weiteres Polyol.

Z. B.: Pilze, Sellerie, Blumenkohl

Die 3 Phasen, einfach erklärt

Wichtig: Fang nicht allein an, besonders bei Gewichtsverlust oder bereits geringer Nahrungszufuhr. Bitte eine Ernährungsfachkraft um Rat.
1

Den Darm zur Ruhe bringen

2 bis 6 Wochen

Man isst vor allem FODMAP-arme Lebensmittel und reduziert die einzuschränkenden. Das Ziel: sehen, ob die Symptome nachlassen.

2

Gruppe für Gruppe testen

Etwa 6 bis 8 Wochen

Man führt jeweils nur eine Gruppe langsam wieder ein und notiert, wie man sich fühlt. Ziel: herausfinden, was Probleme macht.

3

Maßgeschneidert essen

Langfristig

Man isst wieder alles, was gut vertragen wird, und schränkt nur ein, was stört. Phase 1 ist nicht auf Dauer angelegt.

Tabelle 1 · FODMAP-arme Lebensmittel

FODMAP-arm, in normalen Portionen

Gemüse

Karotte, Gurke, Chicorée, Spinat, alle Blattsalate, Mangold, Grünkohl, Pastinake, Kartoffel, Kürbis, Radieschen, Oliven, Bambussprossen, Ingwer, Essiggurken, Champignons aus der Dose, das Grüne von Lauch und Frühlingszwiebel

Obst (eine Sorte auf einmal)

Orange, Clementine, Mandarine, Kiwi, Ananas, Erdbeeren, Heidelbeeren, Papaya, Passionsfrucht, nicht zu reife Banane (FODMAP-Richtwert)

Stärkehaltige Lebensmittel

Reis, Quinoa, Hirse, Buchweizen, Polenta, Tapioka, Stärke, glutenfreie Nudeln und glutenfreies Brot (ohne zugesetztes Inulin)

Eiweiß

Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte und Eier naturbelassen (ohne Knoblauch- oder Zwiebelmarinade), fester Tofu

Milchprodukte

Laktosefreie Milch und Joghurts, Comté, Emmentaler, Greyerzer, Parmesan, Cheddar, Brie, Camembert, Feta, Butter

Fette

Alle Öle. Tipp: Knoblauchöl gibt den Geschmack ohne die FODMAP

Würzmittel

Frische Kräuter, Gewürze (außer Knoblauch- und Zwiebelpulver), Salz, Pfeffer, Senf, Sojasoße, Apfel-, Wein- und Reisessig, Mayonnaise, Tomatenmark

Süßes

Weißer oder brauner Zucker, Ahornsirup, klassische Erdbeermarmelade

Getränke

Wasser, leichter Tee, Pfefferminztee, Mandeldrink, Karotten- oder Tomatensaft (ein Glas pro Mahlzeit)

Snacks

Erdnüsse, Macadamianüsse, Chips natur, Popcorn, Reiswaffeln

Denk daran, die Etiketten von Fertiggerichten zu prüfen: Knoblauch und Zwiebel verstecken sich oft darin.

Tabelle 2 · Einzuschränkende Lebensmittel

Nach Gruppen sortiert: Finde die, die dir Probleme machen
  • Fruktane

    Knoblauch, Zwiebel, Schalotte, das Weiße vom Lauch, Artischocke, Rosenkohl, Rote Bete, Weizen, Roggen und Gerste (normales Brot, Nudeln und Kekse), Cashewkerne, Pistazien

  • GOS

    Linsen, Kichererbsen, getrocknete Bohnen, Erbsen, Sojadrink aus ganzen Bohnen. Tipp: aus der Dose und gut abgespült werden sie besser vertragen

  • Laktose

    Kuh-, Ziegen- oder Schafsmilch, normale Joghurts, Sahne, Quark, Petit-Suisse, Ricotta, Eiscreme

  • Fruktose

    Honig, Agavendicksaft, Apfel, Birne, Mango, Wassermelone, Fruchtsäfte, Spargel

  • Sorbit

    Avocado, Zuckermais, Pflaume, Kirsche, Aprikose, Brombeeren, zuckerfreie Bonbons und Kaugummis

  • Mannit

    Frische Pilze, Sellerie, Blumenkohl, Süßkartoffel, Wassermelone

  • Meiden

    In Phase 1 Knoblauch und Zwiebel (frisch, als Pulver oder versteckt in Fertiggerichten): Sie gehören zu den am schwersten verdaulichen.

Tabelle 3 · Mengen pro Lebensmittel

Die Höchstmenge pro Portion für 159 Lebensmittel, mit ihren Gruppen. Nur für Mitglieder.

Tabelle ansehen (Mitglieder)
Wichtig: Diese Orientierungshilfen ersetzen nicht den Rat einer Ärztin, eines Arztes oder einer Ernährungsfachkraft.

Bestimmte Anzeichen sollten dazu führen, Hilfe zu suchen

Eine Gastroparese kann zu Mangelernährung, Austrocknung und ungewolltem Gewichtsverlust führen.

Ungewollter Gewichtsverlust

Ein nicht beabsichtigter Gewichtsverlust sollte dem Behandlungsteam mitgeteilt werden.

Sehr geringe Zufuhr

Wenn es dauerhaft unmöglich wird, genug zu essen, ist eine Ernährungsabklärung wichtig.

Starkes Erbrechen

Wiederholtes Erbrechen kann die Nährstoff- und Flüssigkeitsversorgung gefährden.

Schwierigkeiten beim Trinken

Wenn du nicht mehr genug Flüssigkeit aufnehmen kannst, hol dir rasch ärztlichen Rat.

Eine immer stärker eingeschränkte Ernährung ist keine dauerhafte Lösung. Wenn du deinen Bedarf trotz Anpassungen nicht mehr decken kannst, sprich mit deinem Gastroenterologen, deiner Ärztin oder deiner Ernährungsfachkraft. Andere Formen der Ernährungsunterstützung können bei Bedarf in Betracht gezogen werden.
Im Notfall: Ruf die 112 an (in Frankreich auch die 15). Unser Infoblatt „Ich gehe in die Notaufnahme“ (PDF, auf Französisch) ↗

Künstliche Ernährung

In bestimmten Situationen kann eine enterale oder, seltener, parenterale Ernährung nötig sein, um eine ausreichende Zufuhr sicherzustellen. Diese Lösungen bedeuten nicht automatisch ein Fortschreiten der Krankheit: Ob sie angezeigt sind, hängt von der Situation jeder Person ab.

Quellen

Wichtiger Hinweis

Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt weder ärztlichen Rat noch eine persönliche Ernährungsberatung. Nährstoffbedarf und Verträglichkeit können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein.

Das Infoblatt Ernährung & Flüssigkeit

Ein druckbares Blatt, um zu notieren, was du isst und trinkst, und nach und nach herauszufinden, was dir am besten bekommt.

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